Verdauungsstörungen

Die Bedeutung des Darms für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden wird häufig unterschätzt: Der Darm ist nicht lediglich Ausscheidungsorgan, sondern er ist eine wichtige Entgiftungsstation unseres Körpers, Ort der Nährstoffaufnahme und zudem sein größtes Immunorgan. Er ist – ähnlich wie die Haut – eine Barriere, die das Körperinnere vor Keimen und Bakterien schützt. Die aus mehr als 400 Bakterienarten bestehende Darmflora und das darmassoziierte Immunsystem schützen uns vor vielfältigen Krankheiten – gerät die Darmflora durch falsche Ernährung oder Krankheiten aus dem Gleichgewicht, kann es zu Entzündungen, Pilzbefall, chronischer Müdigkeit, Durchfall und erhöhter Infektanfälligkeit kommen.

Darmträgheit und Verstopfung

Am weitesten verbreitet ist die Darmträgheit, die sich bis zur chronischen Verstopfung (Obstipation) steigern kann. Von einer Verstopfung wird gesprochen, wenn die Darmentleerung seltener als alle zwei bis drei Tage erfolgt; findet sie weniger als 1-mal die Woche statt, spricht man von schwerer Verstopfung. Bleibt der Stuhl zu lange im Darm, wird ihm mehr Wasser entzogen. Er wird härter und kann nur noch unter großen Anstrengungen ausgeschieden werden. Außerdem finden im Darm zahlreiche Zersetzungsprozesse statt, die negative Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben können.

Unter gelegentlicher Verstopfung leidet fast die Hälfte aller Erwachsenen, und sie beeinträchtigt erheblich das Wohlbefinden. Darmträgheit und akute Verstopfung können durch ballaststoffreiche Ernährung, ausreichendes Trinken, körperliche Bewegung und die Einnahme von Ballaststoffen wie Leinsamen vorgebeugt werden. Denn bei ihr werden nicht rechtzeitig ausgeschiedene Giftstoffe wieder rückresorbiert und es besteht die Gefahr einer Art Selbstvergiftung, die sich in chronischen Kopfschmerzen oder Hauterkrankungen äußern kann. Ursache von chronischer Verstopfung können ebenfalls falsche Ernährungs- und Trinkgewohnheiten sowie Bewegungsmangel sein, aber auch Abführmittelmissbrauch, Übergewicht, psychosomatische Faktoren oder die Einnahme von Medikamenten. Die chronische Verstopfung geht häufig mit Appetitlosigkeit, Blähungen, Völlegefühl und Koliken einher. Eine chronische Verstopfung kann sich außerdem aus einer akuten Verstopfung entwickeln, wenn diese mit Abführmitteln behandelt worden ist.

Reizdarm

Unter krampfartigen Bauchschmerzen, unkontrollierbaren Blähungen, Durchfall, Verstopfungen oder dem Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung nach dem Stuhlgang leidet fast jeder einmal. Treten diese Beschwerden aber dauerhaft über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten auf, wird von einem Reizdarm gesprochen. Die Reizdarm-Erkrankung hat keine organischen Ursachen, wie z. B. eine Entzündung, sondern ist eine funktionelle Erkrankung. Sie kann das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Die Reizdarm-Erkrankung kann durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, ballaststoffarmer Ernährung, psychischen Belastungen oder Störungen der darmeigenen Wahrnehmung, d. h. einem gestörten Wechselspiel zwischen Darmmuskulatur und den Nerven im Darm hervorgerufen werden. Stress und außergewöhnliche Belastungen können die Symptome verschlimmern. In Deutschland leidet etwa jeder 10. Erwachsene unter einem Reizdarm.

Darmentzündung

Entzündungen des Darms (Enteritis) können durch Viren, Bakterien oder Pilze ausgelöst werden, aber auch chronische Verstopfungen und Abführmittelmissbrauch können Entzündungen hervorrufen. Sie gehen mit Durchfall, Übelkeit und Erbrechen einher und bedürfen der ärztlichen Behandlung. Die Ursachen der chronischen entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind bis heute ungeklärt.

Magenschleimhautentzündung

Die Magenschleimhaut produziert täglich ein bis zwei Liter Magensaft zur Vorbereitung der Verdauung und kleidet die Magenwand aus. An ihrer Oberfläche haftet ein zäher Schleim, der sie vor der Selbstverdauung durch die im Magensaft enthaltene Salzsäure und die Enzyme schützt. Sie ist relativ empfindlich und kann durch ungesundes Essen, übermäßigen Alkohol-, Nikotin- und Koffeingenuss, Stress, Medikamente und verdorbene Lebensmittel geschädigt werden. Die Folge sind Reizungen und Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis). Die Magenschleimhautentzündung äußert sich durch Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit und Erbrechen. Sie kann leicht zu einer chronischen Erkrankung werden.

Reizmagen

Eine Magenreizung äußert sich wie die Magenschleimhautentzündung durch Völlegefühl, Magendruck- und krämpfe, Sodbrennen, Aufstoßen und Übelkeit sowie Erbrechen. Im Gegensatz zur Magenschleimhautentzündung liegt beim Reizmagen aber keine physiologische Ursache vor. Man spricht in diesem Fall auch von funktionellen Magenbeschwerden oder einem „nervösen Magen“. Die Beschwerden machen sich meist besonders bei nervlichen Belastungen oder „heruntergeschlucktem“ Ärger bemerkbar. Fast die Hälfte aller diagnostizierten Magenbeschwerden gehört in diesen Bereich.

Abführmittelmissbrauch

Chemische wirkende Abführmittel (wie z.B. Sennesblätter und -früchte, Faulbaumrinde, Rhabarber), haben eine starke und schnelle abführende Wirkung. Dieser chemische Wirkungsmechanismus hat einen Gewöhnungseffekt zur Folge: Die natürliche mechanische Reizung der Darmmuskulatur geht – bis hin zum völligen Verlust der Darmbeweglichkeit und der Darmschrumpfung – verloren. Die Verstopfung, die mit Abführmitteln behoben werden sollte, wird noch verstärkt.

Physikalisch wirkende Abführmittel (wie z.B. Leinsamen) vergrößern durch ihr hohes Quell- und Wasserbindungsvermögen das Stuhlvolumen, sodass ein Dehnungsreiz auf die Darmwand ausgelöst und die Eigenbewegung des Darms gefördert wird. Solche Quellstoff-Abführmittel sind weitesgehend frei von Nebenwirkungen und für eine dauerhafte Einnahme geeignet.